Dienstag, 12. März 2013

Erwartung und Realität: Schluss mit Allergie! - Titel des aktuellen FOCUS

Als der Bachelorstudienabschluss an meiner Uni eingeführt wurde, war ich gerade in den ersten Semestern meines Studiums. Die Erwartung an den neuen, kompakten Abschluss waren hoch und positiv. Während des Studiums die Ernüchterung. Kompakt ja, aber leider wie in einem Süßigkeitenladen am kostenlosen Probierstand. Du kannst von allem etwas probieren, aber es wird schwierig von einer Sorte mehr zu bekommen. Im Bachelor kannst du interessante Themenbereiche nur vertiefen, wenn selbst deine Uni noch nicht genau weiß, wie der Hase läuft und du dadurch mehr Zeit hast zu studieren.
Irgendwie fühlte ich mich daran erinnert als ich mir die aktuelle Ausgabe des FOCUS heute kaufte. Erwartungshaltung bei dem Titel "Schluss mit Allergie! Tierhaare, Heuschnupfen, Nahrungsmittel - Die neuen Tests und Therapien - plus DVD": Hoch. Realität: Ernüchterung. Laut der beigefügten DVD sind wir "Nahrungsmittelunverträglichen" Träger der Bronzemedaille im Wettkampf unter den Allergien: "Für rund 20% der Allergiker stellen bestimmte Nahrungsmittel ein Gesundheitsrisiko dar. Damit stehen sie auf Platz 3 der häufigsten Allergien.". Gold ging an die Pollen und Silber an Hausstaub. Medaillenlos auf der 4 die Tierhaarallergie. Erwartungshaltung somit: Mittelhoch, da der Großteil des Artikels und der DVD Pollen- und Hausstauballergiker FOCUSsieren würde. Realität: Wie schafften es die Tierhaare so weit auf die Pole Position vor uns Nahrungsmittelunverträglicher? Besetzungscouch? Im Artikel werden die Lebensmittelallergien als Randnotiz am Beispiel einer 4-köpfigen Familie betrachtet, der Großteil konzentriert sich auf Pollen, Hausstaub und Tierhaare.Vielleicht gibt es noch mal Nachschlag...


Lieber FOCUS, früher gab es mal das Diplom und heute gibt es das - überarbeitete - Diplom immer noch. Es bietet im Studium Vertiefung, anschließend sagt auch die Wirtschaft "ja, der hat was gelernt". Bachelor ist ja eher mal nebenbei ins Buch geguckt. In Deutschland muss man anschließend noch vertiefen und den Master drauf setzen, dass man mit einem Diplomer vergleichbar ist. Was sagt euch das? Wie wäre es mal nicht sämtliche Allergien in 1 Titel zusammen zu fassen und einige davon halbherzig zu betrachten? Gab es nicht mal thematische Serien, die wöchentlich erschienen? Dann würden für Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht insgesamt unter 5 Minuten Beitrag auf einer 45 Minuten-DVD zusammen kommen und noch nicht mal 1 ganze Seite in einer unvollständigen - und leider fehlerhaften - tabellarischen Übersicht?

Die Ankündigung auf dem Titel "Die neuen Tests und Therapien" konnte ich für meine beiden Lebensmittelallergien nicht finden. Die Therapie "einfach weglassen" ist wohl etwas platt... Bei Fructose gibt es leider - meines Wissens - keine Tabletten dagegen, bei Milchzuckerunverträglichkeit (googelt das doch mal :-), konnte ich leider auch nicht finden, obwohl es doch so verbreitet ist laut anderen Quellen) gibt es u.a. Lactrase in der Apotheke (vor dem Essen) und spezielle lactosefreie Produkte.
Spätestens bei Omas nächstem Geburtstag mit 7 Kuchen am Nachmittag und z.B. Pute mit Sahnesoße oder überbacken mit Käse zum Abendessen werde ich mich an euren Therapietipp (siehe Tabelle auf Seite 91) erinnern und an meinem trockenen Knäckebrot oder einer Möhre knabbern: "Die Therapie von Lebensmittelallergien ist im Prinzip simpel: Patienten müssen die allergenen Bestandteile weglassen". Aber wenigstens habe ich dann kein Problem nach Weihnachten schnell in Silvesterform zu kommen oder eine ganzjährige Bikinifigur zu halten...
Weglassen geht also leider nicht immer - und Verlass ist auch nicht darauf - wie es mir mal in einem Restaurant in Bremen erging, in dem ich die Kellnerin fragte was in dem Currygericht sei. Sie erzählte mir das u.a. Sahne enthalten sei und sie es auch durch Kokosmilch ersetzen könnten. Erwartungshaltung: Früher Abend, jetzt noch lecker essen und danach Kino. Realität: Früher Abend, Sahne im Essen und danach ins heimische Badezimmer.
Zur Aussage auf der DVD "nicht heilen, sondern managen" fällt mir nur die Aussage meiner Ärztin ein, dass sich ein Körper alle paar Jahre (ich glaube 5 Jahre dauert es, bis sich die Darmhärchen erneuert haben) "ändert" und es auch eine temporäre Lactoseintoleranz sein könne. Ich hab da noch Hoffnung, dann wäre Anfang nächsten Jahres eine große, normale Sahnetorte fällig :-)

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